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Warnung vor Kinowelt DVDs Drucken E-Mail
Wednesday, 08 February 2006

Video-Kopiersperre Alpha-DVD blockiert Brenner

 

Kinowelt DVDs sollten gemieden werden von Kunden, die keine Probleme mit dem PC haben wollen.

Der Kinowelt-Titel "Mr. & Mrs. Smith" enthält als erste deutsche Video-DVD die Kopiersperre Alpha-DVD des koreanischen Herstellers Settec[1]. Der Kopierschutz nistet sich vor der Wiedergabe der DVD im PC ein. Wie andere modernen Kopiersperren arbeitet auch Alpha-DVD[2] mit defekten Sektoren. Damit nicht genug, präsentiert die Kinowelt-DVD dem Anwender beim Einlegen der Scheibe mit einem Dialog, der zur Annahme einer Lizenzvereinbarung (EULA) auffordert. Diese eröffnet nach einigen einleitenden Worten:

 

 

"Um diese Technologie zu aktivieren, muss eine Software-Anpassung auf Ihrem Computer vorgenommen werden [...]. Dies beinhaltet eine Modifikation des Betriebssystems, die von den Herstellern der jeweiligen zugelassenen Systeme (siehe unten 1.) geprüft und für unbedenklich erklärt wurde."

 

Lehnt man die EULA ab, spuckt Windows die DVD wieder aus – dasselbe Verhalten zeigte auch der Media Player, der auf den XCP-geschützten Audio-CDs von Sony BMG[3] zum Einsatz kam. Bestätigt der Anwender dagegen die umfassende EULA, kopiert das Installationsprogramm drei Dateien in das Windows-Unterverzeichnis system32 (cmtl.dat, dmdmgr.exe und hadl.dll) und richtet dmdmgr.exe als "SystemManager" ein. In der Folge sucht dmdmgr.exe das System nach ASPI- und ASAPI-Treibern ab.


Bei der Systemüberwachung scheint die Settec-Kopiersperre zu rabiat vorzugehen. In diversen Internet-Foren berichten Anwender[4], nach der Installation von Alpha-DVD seien DVD-Brenner und virtuelle Laufwerke nicht mehr ansprechbar gewesen. Dieses Phänomen konnte heise online nicht nachvollziehen. In der Redaktion traten jedoch andere Unregelmäßigkeiten auf: Ein Rechner stürzte noch vor Bestätigung der EULA ab. Ein zweiter Rechner produzierte nach der Installation der Kopiersperre konsequent Fehlbrände – wohlgemerkt bei der Produktion von Datenmedien, nicht etwa Video-DVDs. Dabei ruinierte das System sogar auf Dauer einen RW-Rohling. Auf einem dritten System gelang das Brennen einer Daten-DVD zwar trotz Alpha-DVD, jedoch mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit. Dabei pausierte das Laufwerk hörbar immer wieder beim Brennen.

Settec bietet zwar eine Deinstallations-Routine an, behindert den Zugang jedoch nach Kräften. Zunächst muss der deinstallationswillige Anwender auf der Settec-Website[5] seine E-Mail-Adresse angeben. Mehrfache Anforderungen mit der gleichen E-Mail-Adresse scheitern auf der Website mit der Fehlermeldung: "Alpha DISC Protection kann nur einmal entfernt werden." Innerhalb kurzer Zeit erhält der Anwender per Mail einen Direkt-Link zum Uninstaller[6] sowie einen 32-stellige alphanumerischen Keycode. Dieser muss beim Uninstaller in ein Eingabefeld eingetragen werden.

 

Auch das Deinstallationswerkzeug verlangt eine Bestätigung von Nutzungsbedingungen. Dann baut das Programm eine Internet-Verbindung zum Settec-Server auf, um die Seriennummer zu verifizieren. Auf Rechnern ohne Web-Anschluss scheitert die Deinstallation mit der wenig hilfreichen Fehlermeldung "Prüfen Sie, ob der Keycode, den Sie per E-Mail erhalten haben, korrekt eingegeben wurde". Mit derselben Warnung scheitert die Deinstallation auch bei Internet-Verbindungen über einen Proxy-Server. Andererseits freut sich der Uninstaller auch auf sauberen Systemen über eine gelungene Deinstallation, obwohl Alpha-DVD dort nie installiert war.

 

Die Alpha-DVD-EULA behauptet zwar, "Der auf dieser DVD enthaltene Film ist auf dem Computer nicht ohne weiteres abspielbar." Dies trifft allerdings nicht zu. Schaltet der Anwender die Autostart-Funktion des Laufwerks ab oder drückt nach Einlegen des Mediums die Umschalt-Taste, bleibt die DRM-Anwendung still und die DVD lässt sich ganz normal wiedergeben. Eine andere Möglichkeit zur Wiedergabe besteht darin, den EULA-Dialog zu ignorieren und einen DVD-Software-Player parallel zu starten. Besitzer einer Media Center Edition[7] von Windows XP (MCE) bleiben vom Kopierschutz unbehelligt, sofern sie ihr System so eingerichtet haben, dass es mit der Media-Center-Oberfläche startet. Die MCE unterdrückt den Autostart von DVD-ROM-Inhalten. Eine ähnliche Funktion bietet auch der DVD-Software-Player TheaterTekDVD[8].

 

Hierzulande findet sich die DVD-Kopiersperre von Settec bislang nur auf einem Titel: der Video-DVD "Mr. & Mrs. Smith" von Kinowelt. Es handelt sich hierbei um die Revision 1.0.3.5. Es wird gemunkelt, dass Alpha-DVD bald auch auf anderen Video-DVDs zum Einsatz kommen soll. Eine frühere Variante[9] von Alpha-DVD ist auf dem koreanischen Titel "Old Boy" zu finden.

 

Bei all dem Aufwand und Ärgernis vermag Alpha-DVD sein primäres Ziel nicht durchzusetzen: Gängige Werkzeuge zum Kopieren von Video-DVDs schaufeln den Inhalt der Scheibe ungerührt auf die Festplatte – Kopierschutz hin oder her.

Kopiersperre auf Kinowelt-DVDs: neuer Uninstaller, alte Probleme

 

Die Kinowelt-DVD des Action-Reißers "Mr. & Mrs. Smith" setzt, wie berichtet, eine neue Kopiersperre ein[1]: Alpha-DVD des koreanischen Herstellers Settec. Beim Einlegen in ein DVD-ROM-Laufwerk startet unter Windows eine Anwendung namens "PlayDVD.exe", die zur Annahme eines Lizenzabkommens auffordert und bei Bestätigung drei Dateien in den Systemordner des Betriebssystems kopiert. Alpha-DVD arbeitet auf zwei Ebenen: Zum einen verhindert die Sperre durch defekte Sektoren auf dem Medium ein "Ripping" des Films, zum anderen verankert sich der Schutzmechanismus über drei Dateien im System. Diese überwachen alle Zugriffe auf optische Laufwerke, was nicht immer gut geht.

 

In diversen Web-Foren ist zu lesen, dass CD/DVD-Brenner nach der Installation von Alpha-DVD nicht mehr ansprechbar waren und virtuelle Laufwerke blockiert wurden. Diese Beobachtungen kann heise online bislang nicht bestätigen. Dafür kam es bei Tests in der c't-Redaktion auf zwei Systemen zu anderen Unregelmäßigkeiten: Auf beiden stockten plötzlich Brennvorgänge (Daten-Backups, keine illegalen Kopien), auf einem schrieb der Brenner dabei sogar einen RW-Rohling kaputt.

 

Nähere Untersuchungen der Kopiersperre ergaben, dass sich die .exe-Datei von Alpha-DVD bei jeder Installation unter einem anderen Namen in das System einklinkt. Im Test hieß die Datei unter anderem "dmdmgr.exe", "mscomc.exe", "avsys.exe" und sogar "win32k2.exe". Das Programm versteckt sich vor dem Windows-Task-Manager; auch der Process Explorer[2] von SysInternals zeigt den Prozess nicht an.

 

Die Anwesenheit der Kopiersperre lässt sich daran erkennen, dass in der Registrierungsdatenbank unter
HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\
Microsoft\Windows\CurrentVersion\
policies\Explorer\Run

ein "SystemManager" eingetragen ist. Auf befallenen Systemen zeigt der Datei-Monitor FileMon[3] an, wie zahlreiche Prozesse das System nacheinander nach den Dateien "wnsaspi32.dll", "asapi.dll" und "elbycdio.dll" absuchen. Einer dieser Prozesse ist die Kopiersperre selbst. Die beiden anderen Komponenten von Alpha-DVD heißen stets gleich: "cmtl.dat" und "hadl.dll". Dem Process Explorer zufolge wird hadl.dll stets von allen laufenden Programmen genutzt.

 

Zwar lässt sich der versteckte Prozess mit einem Kommandozeilenwerkzeug wie PsKill[4] beenden. Dann muss der Anwender aber immer noch separat alle Prozesse beenden, an die sich hadl.dll gehängt hat. Auf dem Testsystem der Redaktion betraf dies zwischen einem und drei Prozesse. Insgesamt ist die manuelle Entfernung der Kopiersperre alles andere als einfach. Derartige Methoden nutzen sonst Trojanische Pferde oder andere bösartige Programme, um sich vor dem System zu verstecken.

Mittlerweile bietet der Kopierschutz-Hersteller Settec[5] zwar ein neues Programm zur Deinstallation an, das keine Registrierung der E-Mail-Adresse mehr verlangt. Der neue Uninstaller[6] baut aber immer noch eine Verbindung ins Internet auf – schlägt dies fehl, wird die Deinstallation verweigert. Davon sind auch Anwender betroffen, die über einen Proxy-Server surfen: Das Deinstallationswerkzeug sucht stets den direkten Weg ins Netz.

Entgegen früheren Annahmen ist "Mr. & Mrs. Smith[7]" nicht die erste Kinowelt-DVD mit der koreanischen Sperre. Auch die in der zweiten Dezemberhälfte erschienene DVD des Polizei-Thrillers "Edison[8]" setzt Alpha-DVD ein. Kinowelt gibt an, bislang 50.000 Stück dieses Titels verkauft zu haben.

Eine Anfrage von heise online, ob Kinowelt auch bei kommenden Titeln auf Alpha-DVD setzen möchte, beantwortete der Verleih mit einem entschiedenen "Vielleicht": "Die Kinowelt Home Entertainment GmbH behält sich auch in Zukunft vor, ihre Produkte vor illegaler Vervielfältigung zu bewahren und neue Technologien zum Schutz vor Raubkopieren einzusetzen. Aus diesem Grund verfolgt die KHE mit großem Interesse die ständig fortschreitende Neu- und Weiterentwicklung von Kopierschutzprogrammen, die sowohl Sicherheit als auch Benutzerfreundlichkeit garantieren. Die Entscheidung, welche Schutzprogramme künftig für besonders gefährdete Titel zum Einsatz kommen sollen, wird aus der Beobachtung dieser Entwicklung resultieren."

(ghi[9]/c't) ( /c't)

URL dieses Artikels:
  http://www.heise.de/newsticker/meldung/69322

Links in diesem Artikel:
  [1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/69211
  [2] http://www.sysinternals.com/Utilities/ProcessExplorer.html
  [3] http://www.sysinternals.com/Utilities/Filemon.html
  [4] http://www.sysinternals.com/Utilities/PsKill.html
  [5] http://www.settec.com/eng/index.htm
  [6] http://uninstall.settec.com/ger/
  [7] http://www.kinowelt.de/detail.php?id=1271
  [8] http://www.kinowelt.de/detail.php?id=1175

Nach unbestätigten Angaben lässt sich dieser Schutz umgehen wenn man beim Einlesen des Laufwerks einfach die Shift Taste drückt und so die Autostartfunktion ausschaltet.

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