Kinowelt DVDs sollten gemieden werden von Kunden, die keine Probleme mit dem PC haben wollen.
Der Kinowelt-Titel "Mr. & Mrs. Smith" enthält als erste deutsche
Video-DVD die Kopiersperre Alpha-DVD des koreanischen Herstellers
Settec[1]. Der Kopierschutz nistet sich vor der Wiedergabe der DVD im PC
ein. Wie andere modernen Kopiersperren arbeitet auch Alpha-DVD[2] mit
defekten Sektoren. Damit nicht genug, präsentiert die Kinowelt-DVD dem Anwender
beim Einlegen der Scheibe mit einem Dialog, der zur Annahme einer
Lizenzvereinbarung (EULA) auffordert. Diese eröffnet nach einigen einleitenden
Worten:
"Um diese Technologie zu aktivieren, muss eine Software-Anpassung
auf Ihrem Computer vorgenommen werden [...]. Dies beinhaltet eine Modifikation
des Betriebssystems, die von den Herstellern der jeweiligen zugelassenen Systeme
(siehe unten 1.) geprüft und für unbedenklich erklärt wurde."
Lehnt man die EULA ab, spuckt Windows die DVD wieder aus – dasselbe Verhalten
zeigte auch der Media Player, der auf den XCP-geschützten Audio-CDs von Sony
BMG[3] zum Einsatz kam. Bestätigt der Anwender dagegen die umfassende EULA,
kopiert das Installationsprogramm drei Dateien in das Windows-Unterverzeichnis
system32 (cmtl.dat, dmdmgr.exe und hadl.dll) und richtet dmdmgr.exe als
"SystemManager" ein. In der Folge sucht dmdmgr.exe das System nach ASPI- und
ASAPI-Treibern ab.
Bei der Systemüberwachung scheint die Settec-Kopiersperre zu rabiat
vorzugehen. In diversen Internet-Foren berichten Anwender[4], nach der
Installation von Alpha-DVD seien DVD-Brenner und virtuelle Laufwerke nicht mehr
ansprechbar gewesen. Dieses Phänomen konnte heise online nicht
nachvollziehen. In der Redaktion traten jedoch andere Unregelmäßigkeiten auf:
Ein Rechner stürzte noch vor Bestätigung der EULA ab. Ein zweiter Rechner
produzierte nach der Installation der Kopiersperre konsequent Fehlbrände –
wohlgemerkt bei der Produktion von Datenmedien, nicht etwa Video-DVDs. Dabei
ruinierte das System sogar auf Dauer einen RW-Rohling. Auf einem dritten System
gelang das Brennen einer Daten-DVD zwar trotz Alpha-DVD, jedoch mit deutlich
reduzierter Geschwindigkeit. Dabei pausierte das Laufwerk hörbar immer wieder
beim Brennen.
Settec bietet zwar eine Deinstallations-Routine an, behindert den Zugang
jedoch nach Kräften. Zunächst muss der deinstallationswillige Anwender auf
der Settec-Website[5] seine E-Mail-Adresse angeben. Mehrfache Anforderungen
mit der gleichen E-Mail-Adresse scheitern auf der Website mit der Fehlermeldung:
"Alpha DISC Protection kann nur einmal entfernt werden." Innerhalb kurzer Zeit
erhält der Anwender per Mail einen Direkt-Link zum Uninstaller[6] sowie
einen 32-stellige alphanumerischen Keycode. Dieser muss beim Uninstaller in ein
Eingabefeld eingetragen werden.
Auch das Deinstallationswerkzeug verlangt eine Bestätigung von
Nutzungsbedingungen. Dann baut das Programm eine Internet-Verbindung zum
Settec-Server auf, um die Seriennummer zu verifizieren. Auf Rechnern ohne
Web-Anschluss scheitert die Deinstallation mit der wenig hilfreichen
Fehlermeldung "Prüfen Sie, ob der Keycode, den Sie per E-Mail erhalten haben,
korrekt eingegeben wurde". Mit derselben Warnung scheitert die Deinstallation
auch bei Internet-Verbindungen über einen Proxy-Server. Andererseits freut sich
der Uninstaller auch auf sauberen Systemen über eine gelungene Deinstallation,
obwohl Alpha-DVD dort nie installiert war.
Die Alpha-DVD-EULA behauptet zwar, "Der auf dieser DVD enthaltene Film ist
auf dem Computer nicht ohne weiteres abspielbar." Dies trifft allerdings nicht
zu. Schaltet der Anwender die Autostart-Funktion des Laufwerks ab oder drückt
nach Einlegen des Mediums die Umschalt-Taste, bleibt die DRM-Anwendung still und
die DVD lässt sich ganz normal wiedergeben. Eine andere Möglichkeit zur
Wiedergabe besteht darin, den EULA-Dialog zu ignorieren und einen
DVD-Software-Player parallel zu starten. Besitzer einer Media Center
Edition[7] von Windows XP (MCE) bleiben vom Kopierschutz unbehelligt, sofern
sie ihr System so eingerichtet haben, dass es mit der Media-Center-Oberfläche
startet. Die MCE unterdrückt den Autostart von DVD-ROM-Inhalten. Eine ähnliche
Funktion bietet auch der DVD-Software-Player
TheaterTekDVD[8].
Hierzulande findet sich die DVD-Kopiersperre von Settec bislang nur auf einem
Titel: der Video-DVD "Mr. & Mrs. Smith" von Kinowelt. Es handelt sich
hierbei um die Revision 1.0.3.5. Es wird gemunkelt, dass Alpha-DVD bald auch auf
anderen Video-DVDs zum Einsatz kommen soll. Eine frühere Variante[9] von
Alpha-DVD ist auf dem koreanischen Titel "Old Boy" zu
finden.
Bei all dem Aufwand und Ärgernis vermag Alpha-DVD sein primäres Ziel nicht
durchzusetzen: Gängige Werkzeuge zum Kopieren von Video-DVDs schaufeln den
Inhalt der Scheibe ungerührt auf die Festplatte – Kopierschutz hin oder her.
Kopiersperre auf Kinowelt-DVDs: neuer Uninstaller, alte Probleme
Die Kinowelt-DVD des Action-Reißers "Mr. & Mrs. Smith" setzt, wie
berichtet, eine neue Kopiersperre ein[1]: Alpha-DVD des koreanischen
Herstellers Settec. Beim Einlegen in ein DVD-ROM-Laufwerk startet unter Windows
eine Anwendung namens "PlayDVD.exe", die zur Annahme eines Lizenzabkommens
auffordert und bei Bestätigung drei Dateien in den Systemordner des
Betriebssystems kopiert. Alpha-DVD arbeitet auf zwei Ebenen: Zum einen
verhindert die Sperre durch defekte Sektoren auf dem Medium ein "Ripping" des
Films, zum anderen verankert sich der Schutzmechanismus über drei Dateien im
System. Diese überwachen alle Zugriffe auf optische Laufwerke, was nicht immer
gut geht.
In diversen Web-Foren ist zu lesen, dass CD/DVD-Brenner nach der Installation
von Alpha-DVD nicht mehr ansprechbar waren und virtuelle Laufwerke blockiert
wurden. Diese Beobachtungen kann heise online bislang nicht bestätigen. Dafür
kam es bei Tests in der c't-Redaktion auf zwei Systemen zu anderen
Unregelmäßigkeiten: Auf beiden stockten plötzlich Brennvorgänge (Daten-Backups,
keine illegalen Kopien), auf einem schrieb der Brenner dabei sogar einen
RW-Rohling kaputt.
Nähere Untersuchungen der Kopiersperre ergaben, dass sich die .exe-Datei von
Alpha-DVD bei jeder Installation unter einem anderen Namen in das System
einklinkt. Im Test hieß die Datei unter anderem "dmdmgr.exe", "mscomc.exe",
"avsys.exe" und sogar "win32k2.exe". Das Programm versteckt sich vor dem
Windows-Task-Manager; auch der Process Explorer[2] von SysInternals zeigt
den Prozess nicht an.
Die Anwesenheit der Kopiersperre lässt sich daran erkennen, dass in der
Registrierungsdatenbank
unter HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\ Microsoft\Windows\CurrentVersion\ policies\Explorer\Run ein
"SystemManager" eingetragen ist. Auf befallenen Systemen zeigt der Datei-Monitor
FileMon[3] an, wie zahlreiche Prozesse das System nacheinander nach den
Dateien "wnsaspi32.dll", "asapi.dll" und "elbycdio.dll" absuchen. Einer dieser
Prozesse ist die Kopiersperre selbst. Die beiden anderen Komponenten von
Alpha-DVD heißen stets gleich: "cmtl.dat" und "hadl.dll". Dem Process Explorer
zufolge wird hadl.dll stets von allen laufenden Programmen
genutzt.
Zwar lässt sich der versteckte Prozess mit einem Kommandozeilenwerkzeug wie
PsKill[4] beenden. Dann muss der Anwender aber immer noch separat alle
Prozesse beenden, an die sich hadl.dll gehängt hat. Auf dem Testsystem der
Redaktion betraf dies zwischen einem und drei Prozesse. Insgesamt ist die
manuelle Entfernung der Kopiersperre alles andere als einfach. Derartige
Methoden nutzen sonst Trojanische Pferde oder andere bösartige Programme, um
sich vor dem System zu verstecken.
Mittlerweile bietet der
Kopierschutz-Hersteller Settec[5] zwar ein neues Programm zur
Deinstallation an, das keine Registrierung der E-Mail-Adresse mehr verlangt.
Der neue Uninstaller[6] baut aber immer noch eine Verbindung ins Internet
auf – schlägt dies fehl, wird die Deinstallation verweigert. Davon sind auch
Anwender betroffen, die über einen Proxy-Server surfen: Das
Deinstallationswerkzeug sucht stets den direkten Weg ins Netz.
Entgegen früheren Annahmen ist "Mr. & Mrs. Smith[7]" nicht die
erste Kinowelt-DVD mit der koreanischen Sperre. Auch die in der zweiten
Dezemberhälfte erschienene DVD des Polizei-Thrillers "Edison[8]" setzt
Alpha-DVD ein. Kinowelt gibt an, bislang 50.000 Stück dieses Titels verkauft zu
haben.
Eine Anfrage von heise online, ob Kinowelt auch bei kommenden Titeln auf
Alpha-DVD setzen möchte, beantwortete der Verleih mit einem entschiedenen
"Vielleicht": "Die Kinowelt Home Entertainment GmbH behält sich auch in Zukunft
vor, ihre Produkte vor illegaler Vervielfältigung zu bewahren und neue
Technologien zum Schutz vor Raubkopieren einzusetzen. Aus diesem Grund verfolgt
die KHE mit großem Interesse die ständig fortschreitende Neu- und
Weiterentwicklung von Kopierschutzprogrammen, die sowohl Sicherheit als auch
Benutzerfreundlichkeit garantieren. Die Entscheidung, welche Schutzprogramme
künftig für besonders gefährdete Titel zum Einsatz kommen sollen, wird aus der
Beobachtung dieser Entwicklung resultieren."
(ghi[9]/c't) (
/c't)
URL dieses
Artikels: http://www.heise.de/newsticker/meldung/69322
Links in diesem
Artikel: [1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/69211 [2] http://www.sysinternals.com/Utilities/ProcessExplorer.html [3] http://www.sysinternals.com/Utilities/Filemon.html [4] http://www.sysinternals.com/Utilities/PsKill.html [5] http://www.settec.com/eng/index.htm [6] http://uninstall.settec.com/ger/ [7] http://www.kinowelt.de/detail.php?id=1271 [8] http://www.kinowelt.de/detail.php?id=1175
Nach unbestätigten Angaben lässt sich dieser Schutz umgehen wenn man beim Einlesen des Laufwerks einfach die Shift Taste drückt und so die Autostartfunktion ausschaltet.